Virtuell 8: Birgit Luxenburger
08. März - 01. Mai 2017

Blick in die Ausstellung
ohne Titel, 1992, Acryl auf Gips, 36 x 100 cm


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Blick in die Ausstellung

Virtuell 8: Birgit Luxenburger

Abstrakt zu malen heißt für mich, komplexe Räume aus Farbe zu formen auf einem flachen oder relativ flachen Bildgrund. Manchmal sind diese Bilder bereits in meinem Kopf. Oft entstehen sie auch direkt im malerischen Prozess - in dieser ständigen Interaktion zwischen Bild und mir, im vielschichtigen Handeln mit lasierenden oder deckenden Farben, Flächen und Malspuren. Dabei interessiert mich das Verhältnis zwischen positiven und negativen Räumen, Tiefe, Plastizität, Transparenz, Intransparenz ...

Bin ich mit der Kamera unterwegs, so kann aus einem banalen Ausflug eine Art Expedition werden. In der Wahrnehmung von Natur, Landschaft oder städtischem Raum komme ich unwillkürlich ins Nachdenken über meine Bilder. Und manchmal bin ich erstaunt über ein Wiedererkennen dessen, womit ich mich bereits malerisch beschäftigt habe. Dieses "Wiedersehen" halte ich fotografisch fest.

Das Malen hat meinen Blick auf meine Umgebung verändert. Bei meinen "Expeditionen" scanne ich ständig die mich umgebende Welt, ich kann gar nicht anders. Ich scanne Landschaft und Details, die Ausdehnung des Raums, Spiegelungen, die Bewegung des Lichts, einen Schatten, der zur eigenständigen Form wird, sich nach vorne drängt und plötzlich ein Positiv wird. Farben springen mich an, Flecken, Schärfe und Unschärfe im Raum, Formen in ihrer Verflüchtigung oder seriellen Konkretisierung.

Und überraschenderweise fallen Erinnerung und Realität ineinander. Unterwegs entdecke ich Bilder, die bereits im Atelier von mir erfunden, erforscht und geschaffen wurden - ganz so oder auch ein bisschen anders. Ein Augenblick des Erstaunens, verblüffende visuelle Verwandtschaften, merkwürdige Parallelen bei meiner Sicht durchs Objektiv.

Nachbilder? Nimmt mich die Natur an die Hand? Oder habe ich meine Augen geformt, so auf die Welt zu sehen? Dabei bin ich gar nicht auf der Suche nach dem idealen Motiv im Blick auf die reale Welt, was ja durchaus legitimer Zündstoff für manche Maler sein kann. Im Fotografieren kommen mir Dinge oder Verhältnisse nahe, mit denen ich mich in meinen Bildern beschäftigt habe in einer Art vergleichendem Sehen.

Die Bilder waren zuerst da.

Und dabei dachte ich, abstrakte Phänomene zu malen, geschaffen aus Acryl und Pigment, zeitlose Phänomene außerhalb unserer begrifflichen Welt.

- Birgit Luxenburger, Februar 2017