Charlotte Trossbach: Liquid

Charlotte Trossbach: Liquid

10. März - 13. April 2019


Vernissage am 10. März 2019.

Für realistische Maler ist die Suche nach Motiven auf der einen Seite eine ständige Beschäftigung, auf der anderen Seite ist das Motiv nur ein Mittel zum Zweck – und dieser ist die Auseinandersetzung mit Ölfarbe, Pinsel und Leinwand. Es geht um Spiegelungen, Oberflächen und Strukturen. Das Spiegelei, das so schön in der Pfanne liegt, bietet der Künstlerin eine willkommene Untersuchung all seiner Glibberigkeit.

In dieser Ausstellung sind neue Werke aus 2018 und 2019 zu sehen, die Flüssiges in verschiedenen Aggregatzuständen zeigen. Ob geschlagene Sahne, Schokoladeneis, Nagellack oder Regentropfen an einer Glasscheibe – das Spiel mit Farben und Strukturen steht im Vordergrund. Die Künstlerin untersucht Brechungen, die beispielsweise durch ein Glas entstehen.

Als Vorlage für ihre Malerei verwendet sie Fotos – häufig Schnappschüsse aufgenommen mit ihrem Smartphone. Dieses schnelllebige Medium der Gegenwart, mit dem jeder sein eigener Fotograf ist und die eigenen fotografischen „Meisterwerke“ mit wenigen Klicks auf Internetplattformen mit der ganzen Welt in Sekundenschnelle teilen kann, übersetzt sie auf Leinwand , und zwar mit einer langsamen Methode. Mit Pinsel und Ölfarben dauert die Umsetzung eines Fettflecks oder einer Spiegelung oft Stunden oder gar Tage.

Aus der Ferne betrachtet wirken Trossbachs Bilder wie großformatige Fotografien. Umso spannender ist es, sie aus der Nähe zu betrachten. Spiegelungen lösen sich in Farbtupfer oder Pinselstriche auf, manche Stellen sind regelrecht abstrakt. Unschärfe kontrastiert mit Klarheit. Mit verführerischen Motiven verführt die Künstlerin uns mit ihrer Malerei.




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Steve Johnson - Altered States

Steve Johnson - Altered States

10. März - 13. April 2019


Ausstellung im Studio der Galerie. Eröffnung am 10. März 2019.

Steve Johnson, Jahrgang 1953, studierte am renommierten Goldsmiths College in London bei Sir Michael Craig-Martin. Seine Ausstellung in der DavisKlemmGallery umfasst 17 Drucke in unterschiedlicher Technik, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind.

Der Titel der Ausstellung, „Altered States“, ist zweideutig. Zum einen kann der Begriff einen „Veränderten Zustand“ bedeuten, zum anderen „veränderte Staaten“, in Anspielung auf die aktuellen Verwerfungen in den politischen Landschaften Europas. Alle Werke in der Ausstellung zeigen einen anderen Blick auf alltägliche Situationen – ob Wohnungseinrichtungen, eine Verkehrsinsel oder Essen. Die Themen regen zum Nachdenken über das an, was unter der Oberfläche liegt. Was liegt unter dem Boden? Was liegt unter dem Bürgersteig? Unter dem Essen?

Kernstück der Ausstellung sind sechs neue Fotoarbeiten, die erstmals präsentiert werden. Diese sechs Stillleben zeigen typische Gerichte sechs europäischer Länder, nämlich England, Frankreich, Italien, Schweden, Polen und Deutschland. Alle Gerichte wurden sorgfältig vom Künstler zubereitet, bevor er Teller, Tassen und Gläser mit einem Hammer zerschlug und danach die Mahlzeiten auf den Scherben anrichtete. Europa genießt seit über sieben Jahrzehnte die längste Periode des Friedens und des Wohlstands seiner Geschichte. Das Erstarken des Populismus, des Nationalismus und der rechten Bewegungen in Europa (sowie global) weckt aber Erinnerungen an die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Brexit ist ein Symptom dieses kollektiven Erinnerungsverlusts.

Die sechs Stillleben vereinen auf der einen Seite Wohlstand und Fülle mit Zerstörung auf der anderen Seite. Schönheit und Gewalt sind hier sichtbare Antipoden.

Bei Steve Johnson ist nichts dem Zufall überlassen. „Given up“ (auf Deutsch „aufgegeben“) ist eine Photoarbeit von 2012. Ein Demonstrant steht auf einer grünen Wiese und hält ein Schild hoch mit der Aufschrift „Gott hat uns aufgegeben. Er arbeitet jetzt an einem kleineren Projekt“. Die Komposition des Bildes (Demonstrant mittig platziert zwischen zwei Kirchtürmen) und die Stimmung (wolkenbehangener grauer Himmel) stärken das Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Auffällig ist auch wie der Demonstrant das Schild hält - so als ob er sich damit verteidigen wolle, in Abwehr? Außer dem Demonstrierenden sieht man keine anderen Menschen. Für wen, vor wem wird hier demonstriert?




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