Fokus auf Zeichnung
16. Juni - 31. Juli 2022

Marion Eichmann
Lilien-Nelken 4, 2021
Buntstift, Grafit, Papier
40 × 30 × 1,5 cm
Unikat

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Marion Eichmann - Lilien-Nelken 4, 2021, Buntstift, Grafit, Papier

Blick in die Ausstellung

Werke

Fokus auf Zeichnung

Gruppenausstellung mit Werken von Peer Boehm, Marion Eichmann, Nicole Fehling, Steve Johnson und Leonard Korbus. Eröffnung an Fronleichnam (Donnerstag, 16. Juni 2022) 15 bis 18 Uhr.. Mit „Fokus auf Zeichnung“ präsentiert die DavisKlemmGallery Werke von fünf Künstlerinnen und Künstlern, die die Vielfalt des Labels „Zeichnung auf Papier“ lebendig werden lassen. Mit Marion Eichmann, Peer Boehm, Leonard Korbus, Steve Johnson und Nicole Fehling sind vom 16. Juni bis 31. Juli 2022 verschiedene Positionen zu entdecken.

Abstrakte Zeichnungen als Versuchsreihe
Die nummerierten Abstract Drawings von Leonard Korbus gleichen einer Versuchsreihe. Farbflächen in verschiedenen Strukturen und Farben liegen wie Puzzleteile direkt aneinander, ohne sich zu überschneiden oder ineinander zu laufen. Je nach Blickwinkel verändert sich die Perspektive auf das Bild und dessen Tiefe. Wie ein Puzzle oder eine Collage setzt Korbus die Elemente zusammen und kreiert Spannungen, die sowohl durch die verschlüsselten Formen als auch die Farbkombinationen entstehen.

Leonard Korbus (*1991 Mainz) hat in Halle an der Burg Giebichenstein bei Christine Triebsch im Studiengang „Malerei / Grafik, Klasse Bild|Raum|Objekt|Glas“ studiert. In Leipzig setzte er bei Joachim Blank an der Hochschule für Grafik und Buchkunst sein Studium im Bereich „Medienkunst, Klasse Raum & Installation“ fort. Er schloss sein Studium 2019 mit einer theoretischen Arbeit – „Der Wille zum Überblick – Eine Analyse des Blicks vom erhöhten Standpunkt“ – ab. Seine theoretische Herangehensweise, die auch unter dem Aspekt der Artistic Research gefasst werden kann, spiegelt sich auch in seinen Zeichnungen wider.

Schere, Stift, Papier
Neben Stift und Papier kommt bei Marion Eichmann auch die Schere zum Einsatz. Durch die Montage ausgeschnittener Zeichnungsteile erhalten ihre Werke einen plastischen Aspekt, der sie an der Grenze zur Installation und Skulptur verortet. Ihre Blumenvasen machen das klassische Stillleben-Motiv in neuer Lebendigkeit und Haptik erfahrbar. Die präzisen Details in vereinfachter Form, oft in leuchtenden Grundfarben umgesetzt, zeigen Eichmanns Beobachtungsgabe für die alltäglichen Gegenstände.

Papier, Zeichnungen und Collagen bilden den Fokus von Marion Eichmanns (*1974 Essen) Arbeiten. Sie bildet alltägliche Objekte in Zeichnungen, Collagen oder dreidimensionalen Nachbauten ab. Sie studierte an der Universität der Künste und der Kunsthochschule Berlin Weißensee, wo sie Meisterschülerin bei Prof. Gotenbach war. Sie wurde mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnet, ist regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland vertreten und ist derzeit mit einem Projekt im Deutschen Bundestag vertreten.

Geduldiges Papier auf langer Reise
Ein Freibad mit Sicht vom Sprungbrett, im Hintergrund Massen von Kindern, die ihren Sommer zwischen Eisstand und Chlorwasser auf einer überfüllten Sonnenwiese verbringen. Mit dem Kugelschreiber gibt Peer Boehm wieder, wozu ihn alte Fotografien oder auch Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis inspirieren. Das Blau hebt sich vom vergilbten Papier einer alten Landkarte ab. Das Meer in der Karte wird zugleich zum Wasser im Schwimmbecken, voller unentdeckter Orte und Abenteuer. Das Papier, das der Künstler als Unterlage für seine Zeichnungen verwendet, erzählt dabei seine eigene Geschichte: ob Briefpapier der US Army oder alte Seekarten oder Buchhaltungsjournale

Peer Boehm (*1968 Köln) arbeitet vor allem mit Papieren, die bereits eine andere Verwendung hatten. Diese erste Ebene verblendet er mit einer zweiten gezeichneten Ebene, die oft auch einen inhaltlichen Bezug herstellt. Vorlage dafür sind Fotos privater oder allgemeiner Erinnerung. Boehm studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an der Universität zu Köln und ist Mitbegründer zahlreicher Projekte und Kooperativen für und von Künstlern in Köln. Seine Arbeiten werden regelmäßig im In- und Ausland präsentiert. Derzeit zeigt das Willy-Brandt-Haus in Berlin noch bis zum 28. Juli 2022 seine Ausstellung „Tauziehen“.

Mehr als eine schöne Hülle
Während sich die meisten Menschen mehr für den Inhalt von Paketen und Verpackungen interessieren, sieht Nicole Fehling das ästhetische Potential dieser dreidimensionalen Hüllen. In ihren präzisen Zeichnungen fängt sie Strukturen ein oder beschäftigt sich auch mit komplizierten Innenleben von Kartons zur Stabilisierung. Sie erhalten den Charakter von Skulpturen oder Architekturen. Diese erhabene Inszenierung und die ebenso detaillierten wie akkuraten Studien stehen im ironischen Kontrast zum Trägermaterial, das aus der grauen Innenseite aufgefalteter Verpackungskartons besteht. Wie in ihren geschnittenen und gefalteten Objekten finden sich auch in den Zeichnungen klare Strukturen, die neue Perspektiven auf das Thema Verpackung eröffnen.

Nicole Fehling (*1969 Marburg) studierte Kommunikationsdesign in Wiesbaden und anschließend Bildende Kunst bei Frau Prof. Knoche-Wendel in Mainz. Verschiedene Arbeitsstipendien in Wiesbaden, zuletzt seit 2020 des Künstlervereins Wiesbaden, ermöglichen ihr, sich auf das Thema zu konzentrieren, das sie in allen ihren Arbeiten beschäftigt: Verpackung.

Isoliert im weißen Raum
Ein Zebrastreifen ist eine sichere Möglichkeit, von einer Straßenseite zur anderen zu gelangen. Steve Johnson führt diesen Zweck jedoch ad absurdum, wenn er den Zebrastreifen wie eine Insel vom rettenden Land des Bürgersteigs trennt. Wie in ein Stück Torte scheint er in den Boden geschnitten zu haben, um genau diesen Teil herauszustellen. Dieses entpuppt sich zudem als Schichttorte, deren verschiedenen Schattierungen die Tiefe der Erde mit veränderter Struktur und Farbe wiedergibt. Schwebend im weißen, endlosen Raum erschafft er ein eigenständiges Objekt, das in dieser Weise nur unter der Erde versteckt existiert.

Steve Johnson (*1953 Whitstable, GB) studierte bei Michael Craig-Martin an der University of London und an der Chelsea School of Art. Dort war er von 1987 bis 2005 und von 2007 bis 2010 als Dozent für Skulptur tätig. Er zeigt in seinen Arbeiten Ausschnitte aus dem Alltag aus einer besonderen Perspektive. Sowohl in seinen Zeichnungen als auch in seinen Skulpturen zeigt er gerne detaillierte, verfremdete Blickwinkel auf Alltagsszenen, die er inszeniert. In diesem Sommer hat er eine Einzelausstellung im Kunstverein Bellevue-Saal: „Bodenlos“ vom 30. Juni bis 31. Juli 2022.