Badende
21. August - 21. September 2019

Sigrid von Lintig
Carla II, 2018
Acryl und Pigmente auf Leinwand
140 × 220 cm
Unikat

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Sigrid von Lintig - Carla II, 2018, Acryl und Pigmente auf Leinwand
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Badende

Eröffnung am 18.08.2019, 15:00 bis 18.00 Uhr

Mit Werken von Thomas Bayrle, Werner Berges, Marion Eichmann, Steve Johnson, Sigrid von Lintig, Mel Ramos, Petra Scheibe Teplitz, Charlotte Trossbach, Albrecht Wild und Konrad Winter.

Im Rahmen der Kulturtage in den Wiesbadener Stadtteilen AKK ist die Galerie zusätzlich am 25. August von 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

"Badende" - Werke von zehn Künstlerinnen und Künstlern beleuchten aus verschiedenen Blickwinkeln ein klassisches Thema der Kunst.

Von Thomas Bayrle, dessen unzählige blaue Kaffeetassen im Museum Wiesbaden die Wände im Museumcafé zieren, wird die Farbserigrafie mit dem lautmalerischen Titel „Pitsch-Patsch“ aus dem Jahr 1970 gezeigt. Als ob Synchronschwimmen zu einem Massenphänomen geworden wäre, bilden Tausende von Schwimmern mit weißen Badekappen einen Bildteppich. Thomas Bayrle hat sich ursprünglich zum Weber ausbilden lassen – was diese humorvolle Grafik umso hintergründiger erscheinen lässt.

Aus der Mappe „Top Stars“ von 1968 stammt der Siebdruck „Schwimmer“ von Werner Berges (1941-2017). Übergroße blaue Rasterpunkte als stilisierte Wassertropfen aus der Dusche bilden den Hintergrund für zwei Models, die unter dem Wasserstrahl stehen. Das Unikat „Drillinge“ von 1971 zeigt drei Badenden in ihren grafischen Einteilern in Primärfarben. Positiv- und Negativflächen lösen sich auf und fließen ineinander über. Berges hatte die Vorlagen für seine Kunst aus den Medien, v.a. aus den Druckmedien, entnommen – was die Posen der Badenden erahnen lassen.

Die Berliner Künstlerin Marion Eichmann verwendete für ihre sechs neuen plastischen Papiercollagen von Badenden Zeichnungen, die sie vor neunzehn Jahren am Strand in Frankreich angefertigt hatte. Die Galerie präsentiert sowohl die Zeichnungen als auch die Collagen, was einen interessanten Vergleich ermöglicht. Steve Johnsons Wandobjekt „Bathers“ – aus Holz und grau lasiert - wurde 2018 für die 250. Royal Academy Summer Exhibition in London ausgewählt. Zu sehen sind die Bestandteile eines Bads: Dusche, WC und Toilettenpapierhalter – alles, was zum Bad gehört, nur der Boden des Raums fehlt.

Sigrid von Lintig ist mit zwei großformatigen Pool-Arbeiten vertreten. Das Medium Wasser und die darin sich bewegenden Schwimmer sind ein Hauptthema ihres Werkes. Man spürt förmlich das Wasser beim Betrachten ihrer Malerei und taucht hinein ins Blaue.

Der amerikanische Pop Künstler Mel Ramos ist mit zwei Grafiken vertreten. „Bonnard’s Bath“ ist sein Verweis auf den französischen Maler Pierre Bonnard, der häufig seine Frau Marthe sehr intim im Bad porträtiert hat. Mel Ramos hat es ihm gleichgetan und ebenfalls seine Ehefrau Leta entspannt in der Badewanne liegend porträtiert. Die zweite Grafik trägt den Titel „Peek-a-boo Towel“ und zeigt den voyeuristischen Blick durch ein Schlüsselloch auf eine Badende, die kokett ein Badetuch vor sich hält.v Von der Frankfurter Künstlerin Petra Scheibe Teplitz sind drei „Rettungsringe“ zu sehen. Sie hat Styroporringe, die Floristen für Blumenkränze verwenden, mit Texten aus pigmentiertem Wachs versehen. Die Texte sind einerseits humorvoll, andererseits haben sie es in sich: „I would miss you“ (Ich würde dich vermissen) steht wiederholt auf einem zu lesen, auf einem anderen die Aufforderung „Don’t Panic“ (Ruhe bewahren).

Von Albrecht Wild, der an der Städel Schule bei Thomas Bayrle studiert hat, sind mehrere Collagen aus seiner Reihe der beermats zu sehen. Immer aus drei Exemplaren mit insgesamt vier Schnitten zusammengesetzt, muten sie mit ihren Formen und Farben kaleidoscopartig an. Für diese Ausstellung hat Wild passende Motive ausgesucht: der Sprung ins kühle Nass, Erfrischung pur, Pool- und Strandmotive. Sogar Untersetzer bedruckt mit Paul Cezannes „Großen Badenden“ hat er aufgetrieben.

Der Salzburger Künstler Konrad Winter trägt ein Bild einer Schwimmerin aus der Perspektive eines Vogels bei. Die spiegelnde Wasseroberfläche wird durch den glänzenden Autolack als Malmedium verstärkt. Ein zweites Werk zeigt eine impressionistische Strandszene, wie man sie von gut besuchten Urlaubsstränden kennt.

Die jüngste Künstlerin in der Ausstellung, Charlotte Trossbach, 1985 in Mainz geboren, lebt und arbeitet in Köln. Ihr Beitrag zur Badenden-Ausstellung ist auch ein Stück bundesrepublikanische Fernsehgeschichte und zeigt Loriots irrtümlich zusammen badenden Männer bei der Diskussion in der Badewanne: „Die Ente bleibt draußen“, 2019, Öl auf Leinwand, 60 x 90 cm. Passend dazu gibt es die Quietscheente, 24 x 30 cm, in Öl auf Leinwand.