Projekt #8: Birgitta Weimer
25. November 2022 - 05. Februar 2023

Blick in die Ausstellung



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Projekt #8: Birgitta Weimer

DavisKlemmGallery Projektraum, Kirchstraße 4, 65239 Hochheim am Main
Projekt #8: Birgitta Weimer

DIE KÜNSTLERIN
Birgitta Weimer wurde 1956 in Gemünden am Main geboren und studierte bei Sigmar Polke, Kai Sudeck und Ulrich Rückriem in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste. Seither beschäftigt sie sich mit Strukturen, die sie auf fast naturwissenschaftliche Weise untersucht. Regelmäßig werden ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und international gezeigt, unter anderem im Osthausmuseum in Hagen (2017), im Kunstmuseum Linz, Österreich (2017), im Milwaukee Institute of Art and Design, USA (2011) und im arp museum in Remagen (2011). Ihre Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, unter anderem des Museums Ritter, Waldenbuch, der Sammlung des Bundes von Werken der Kunst nach 1945, Berlin, und in der Sammlung der Stiftung Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg. Sie lebt und arbeitet in Köln.

DAS MATERIAL
Epoxidharz und Lichttechnik. Als „Bronze der Neuzeit“ bezeichnet Birgitta Weimer Epoxidharz, das in vielen Bereichen verwendet wird: Bodenversiegelung, Schiffsbau oder Modellbau zum Beispiel. Von Künstlern wird es gerne für kleinformatige Editionen verwendet. Die Messier-Objekte sind jedoch keine Editionen, da jedes als Unikat eine andere Sternenkarte abbildet. Trotzdem ist die Ellipsoid-Form der Messier-Objekte gleich: So kann dieselbe Gussform verwendet werden. Von innen sind die Objekte hell, damit kein Licht absorbiert wird. Die Lichttechnik innen ist wasserdicht und besteht aus Halogen-Metalldampflampen, die auf 240 Volt gedimmt sind – normalerweise werden diese für die Beleuchtung von Schaufenstern benutzt, ein Zweck, dem sie hier im Hochheimer Projektraum indirekt wieder dienen.

DIE HERSTELLUNG
Die sehr präzise gearbeiteten Messier-Objekte von Birgitta Weimer sind ästhetisch ansprechend und „einfach schön“. Sie beziehen sich auf die Arbeiten des französischen Astronomen Charles Messier (1730-1817), der mit seinen Sternenkarten – dem „Messier-Katalog“ – die Grundlage für die systematische Erforschung von Galaxien, Nebeln und Sternenhaufen geschaffen hat. Die Benennung „Messier“ oder „M“ mit einer Zahl als Zusatz zur Benennung von Sternenbilder hat sich bis heute erhalten. Birgitta Weimer verwendet hochauflösende, professionelle Sternenkarten, die auf Papier geplottet werden. Davon ausgehend werden die abgebildeten Sterne auf das Epoxidharz „durchgestochen“, um die Sternenkarte auf dem Objekt und dann später im Raum entstehen zu lassen..

DIE EINFLÜSSE
In vielen anderen Arbeiten beschäftigt sich Birgitta Weimer mit Mikrostrukturen, die sie in riesigen Dimensionen darstellt. In diesem Fall ist es genau andersherum: Etwas unermesslich Großes – der Sternenhimmel – wird zusammengeschrumpft und auf Raumformat gebracht. Mit 90 cm Durchmesser und 45 cm Höhe passt ein ganzer Sternenhimmel bequem in den Kofferraum eines Autos. In der Betrachtung dieser Makro- und Mikrostrukturen übernimmt und behandelt die Künstlerin wissenschaftliche Thematiken. Obwohl sie wissenschaftlich korrekt arbeitet und ungreifbare Dinge greifbar macht, behält sie doch den mystischen Charakter dieser wissenschaftlichen Ordnung im universellen Chaos bei.

DIE INSTALLATION
Lichtinstallationen sind immer faszinierend. Licht zieht Menschen an, kreiert Aufmerksamkeit und ist doch nicht greifbar. Schon farbige Kirchenfenster – eine Art mittelalterliche Lichtinstallation – wurden als Repräsentation des himmlischen Jerusalems gesehen: etwas Unfassbares wurde in einem „unanfassbaren“ Medium dargestellt. So funktionieren auch Weimers Messier-Objekte. Unfassbar ferne und räumlich große Zusammenhänge werden im Medium des Lichts nahegebracht. Dabei ist nicht nur die Lampe mit Umhüllung – das „Fassbare“ – die Installation, sondern vor allem die Lichtflecken, die dadurch erzeugt werden: auf Wänden, Decken, Boden und zufällig vorbeigehenden Menschen, die zur Projektionsfläche von Messiers Sternenkarte werden.

DER RAUM
Der 20 m² große Raum, in dem früher Stifte und Schulhefte verkauft wurden, steht nun Künstler*innen der DavisKlemmGallery zur Gestaltung zur Verfügung. Statt regelmäßiger, aber begrenzter Öffnungszeiten, ist der Raum rund um die Uhr zu besichtigen: Durch die große Fensterfront ist der komplette Raum und damit das jeweilige Projekt ständig einsehbar. So werden hier wechselnde Projekte, Installationen, Kunstwerke und Künstler zu entdecken sein. Die aktuelle Präsentation wird bis 5. Februar 2023 zu sehen sein.