Virtuell 4: Konrad Winter - public
04. Juni - 31. Juli 2016

Blick in die Ausstellung
Hund, Stahlrohrplastik für den Szene-Vorplatz, Salzburg, 450 x 500 x 220 cm, temporäre Platzgestaltung während des Sommerszene-Festivals,1995


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Blick in die Ausstellung

Virtuell 4: Konrad Winter - public

Mit unserer Reihe "virtuell" haben wir die Möglichkeit, Ausstellungen zu zeigen, die man nicht in einer "normalen" Galerieausstellung präsentieren kann. das trifft besonders zu bei der Ausstellung "public" von Konrad Winter. Hier geht es nämlich um Werke, die der Salzburger Künstler im öffentlichen Raum realisiert hat. Bevor wir also von Salzburg über Freiburg nach Unna reisen, um Projekte zu zu besichtigen, sind sie nun hier gebündelt zu sehen.

Auftragsarbeiten entstehen unter anderen Kriterien als "freie" Arbeiten eines Künstlers. Die Architektur muss mit einbezogen werden, ebenso Sichtachsen und Blickwinkel. Das gilt auch für die Vorstellungen des Auftraggebers, der mit der Kunst eine Außenwirkung erzielen will, vielleicht auch etwas Identitätsstiftendes.

Von Konrad Winter gibt es verschiedene Werkgruppen. Am bekanntesten ist sicherlich seine Reihe der "getarnten Landschaften". Statt nur ein Objekt in einer Landschaft zu tarnen, verwandelt Winter komplette Ansichten einer Stadt, eines Parks, einer Landschaft in ein Tarnmuster. Aus der Nähe sieht man nur farbige amorphe Farbflächen. Erst mit etwas Distanz erkennt man die Szene. Bei seinem bisher größten Projekt, entstanden für das Institut für Patholologie an der Uniklinik Freiburg, ist dieses Spiel zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit auch im Titel ablesbar: Zellstruktur (Münsterplatz) - siehe Bilder 13 - 17. Bei dieser großen Arbeit im Treppenhaus des Instituts sind - je nach Blickwinkel - in der Tat nur farbige "Zellstrukturen" zu erkennen. Man könnte meinen, dass der Künstler Mikroskop-Aufnahmen aus dem Institut als Vorlage für seine Malerei verwendet hat - wenn da nicht der Hinweis "(Münsterplatz)" wäre.

Im Parkhaus am Salzburger Bahnhof lächeln "Abendgesellschafter" in leuchtendem Gelb mit schwarzen Konturen von den Wänden und weisen dem Parkenden den Weg zur Parklücke - siehe Bilder 4 - 7. Bei der Reihe der "Abendgesellschafter" handelt sich um Porträts von bekannten Personen, die man abends, sozusagen zur besten Sendezeit, im Fernseher sehen kann. Leisten sie dem Zuschauer abends Gesellschaft - oder sind es gesellschaftlich wichtige Personen, die man abends auf dem Bildschirm sieht? Oder sind die Persönlichkeiten Gesellschafter im Sinne einer Aktiengesellschaft? Eine mögliche Antwort auf diese Frage gibt der Künstler selbst.1996 installierte Winter ein Fersehzimmer in der Salzburger Galerie 5020 - siehe Bild 2. Man schaut auf einen Fernsehsessel mit Beistelltisch, eine Stehlampe und einen Fernsehapparat. Alle Möbelstücke sind verkleidet in einer einheitlichen schweren "Holzoptik" ... Eiche rustikal? An der Wand setzen sich sechs farbige Holztafeln in der Größe eines Fernsehbildschirms mit Szenen aus Filmen ab. In diesem Raum ist nur eine Sitzgelegenheit und diese ist auch nur für eine Person, die direkt vor dem Fernsehgerät sitzt.

In der Tiefgarage ist auch ein Leuchtkasten mit einer Stempelarbeit aus der Reihe "Deutsche Aktien" zu sehen - siehe Bild 6. Aus der Ferne sehen die Arbeiten aus wie ein Mosaik - oder auch wie gepixelte Fotos. Die "Pixel" bestehen aus den Firmenlogos deutscher Aktiengesellschaften, wie Telekom, Bayer, Deutsche Bank, VW oder Daimler.

Gemeinsam haben alle drei Werkreihen, dass sie mit in unserem kollektiven Gedächtnis gespeicherten Bildern arbeiten. Die Medien bieten uns eine immer größer werdende Bilderflut an. Die Stadtansichten, Personen des öffentlichen Lebens oder die Logos weltweit agierender Firmen lösen beim Betrachter Assoziationen und ein (Wieder-) Erkennen aus. Auch bei einer der jüngeren Auftragsarbeiten, nämlich an der Sparkassenakademie Stuttgart, gilt diese Strategie - wenn auch hier das kollektive Gedächtnis der Mitarbeiter angesprochen wurde - siehe Bilder 28 und 29 . Es handelt sich nämlich um deren Lieblingsfotos.