Virtuell I: 30 Jahre Spraybanane - Teil 2
01. Februar - 02. März 2016

Blick in die Ausstellung
Teil 1 endete mit der Vorstellung des "Bananenpointillismus" im Jahr 1995. Hier zu sehen ist die Atelier-Installation "Nie wieder Krieg" in der DuMont Kunsthalle in Köln 1995.


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Blick in die Ausstellung

Virtuell I: 30 Jahre Spraybanane - Teil 2

Eine wichtige Serie von Bildern in Thomas Baumgärtels Oeuvre sind seine Metamorphosen der Spraybanane. Von der Originalbanane ausgehend transformiert er die gelbe Frucht in andere Bilder. Mit anderer Biegung und veränderter Form wird die Banane etwa zum Dollar- oder Euro-Zeichen. Oder sie bekommt schwarze Fünfecken und wird zur Fußballbanane. Mal taucht die Banane fast unverändert auf, wie bei der Metamorphose "Hammer + Banane", wo sie sich fast unauffällig als Teil des Zirkels tarnt. Mit Hilfe zweier Bananen formt Bäumgärtel das Paragraphenzeichen nach. Irritierend ist, dass dieses neue Zeichen beim flüchtigen Blick kaum vom Original zu unterscheiden ist - mal abgesehen von der gelben Farbe.

In Teil 2 dieser virtuellen Ausstellung werden die Jahre von 1996 bis 2006 beleuchtet. Baumgärtel hat seine Studien der Kunst und der Psychologie längst abgeschlossen. Seine ersten Atelierumzüge nach dem Studium hat er auch schon hinter sich. Die Wirkung seiner Kunst, dieses Spiel der Aktion und Reaktion, schon einige Jahre erprobt - mit allen positiven und negativen Folgen. Er ist schon weit über Köln hinaus bekannt. 1997/98 geht sogar der Bayerische Rundfunk mit ihm 2 Wochen auf Tour und dreht einen 45 minütigen Filmbeitrag.

Aber ein Künstler ist immer auf der Suche nach dem nächsten Bild, nach dem nächsten Auftritt. In dieser Zeit reifen zwei Großprojekte Baumgärtels heran: die Banane im Kölner Dom zum 750. Jubiläum des Doms im Jahr 1998 und die Banane im Brandenburger Tor in Berlin. Das erste Projekt wurde nach zwei Jahren Planung und Arbeit in einer Nacht- und Nebelaktion am 5. August 1998 umgesetzt. "Wir lieben die Hohe Kirche" titulierte Baumgärtel das Projekt. Kunst und Kirche war schon sein Thema als junger Zivildienstleistender (siehe Teil 1) - und schon damals hat er die heftigen Reaktionen zu spüren bekommen. 1998 sollte es nicht anders sein. Der von Baumgärtel angestrebte "Dialog" mit der Kirche blieb aus - das Hauptportal der Hohen Kirche wurde vorübergehend geschlossen.

Während manche Kritiker Baumgärtels Provokationen als Aufmerksamkeit suchende "publicity stunts" abtun, feiern ihn andere für seinen Humor und seine Kreativität, die Freiheit der Kunst immer wieder zu demonstrieren - ohne Angst vor Folgen und vorauseilenden Gehorsam. Insofern endet dieser zweite Teil der 30-jährigen Geschichte mit der dazu passenden Ausstellung und Performance im Oberlandesgericht in Köln 2006. Der Titel der Ausstellung: "Krumme Dinger". Die krumme Banane, die bei Baumgärtel für so vieles steht - aber zuallererst für die Kunst und deren Freiheit, wird an einem Ort ausgestellt, wo die Gesetze einer offenen und liberalen Gesellschaft angewandt werden.

Nochmals herzlichen Dank an Thomas Baumgärtel, dass er sein Archiv zur Verfügung gestellt hat!
Die folgende Compunteranimation ist von Step-Ani-Motion, Konzeption von Thomas Baumgärtel und Musik von Simon Stockhausen.


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